Aufstieg zum Gitschberg (2.512 Meter) in meiner Schwangerschaft

Unweit von unserem Domizil Plattnerhof im Pfunderer Tal thront mit 2.512 Metern in den südlichen Zillertaler Alpen im westlichen Pustertal der Gitschberg. Der Aufstieg verlangte uns viel Kraft ab, aber natürlich belohnte uns eine fantastische Aussicht.

Wir fuhren nur etwas mehr als 20 Kilometer nach Meransen, welches insbesondere im Winter als ein Feriendorf für das Wintersportgebiet Gitschberg mit einer Pistenlänge von über 20 Kilometern beliebt ist. Von Meransen (1.414 Meter) nahmen wir die Seilbahn zur Nesselhütte (2.113 Meter). Da wir im Besitz der Almencard Plus waren (enthalten in unseren Übernachtungskosten), konnten wir die Seilbahn kostenfrei nutzen (weitere Vorteile hier).

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Müde Fahrradbeine

Eigentlich wollten wir auf Höhe der Nesselhütte die Aussicht genießen und entspannen, denn es steckten uns 50 Kilometer von unserer Fahrradtour vom Vortag von Mühlbach nach Bruneck und wieder zurück entlang der Rienza in den Beinen. Thomas hatte mit seinem Moutainbike natürlich noch viel mehr Kraft aufwenden müssen als ich, denn ich bin zum ersten Mal in meinem Leben ein E-Bike gefahren. Schließlich war es heiß und ich in anderen Umständen (14. Schwangerschaftswoche); da wollten wir einfach auf Nummer sicher gehen. Und etwas hügelig war die Strecke ja auch.

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Aber als wir aus der Nesselbahn ausstiegen ging mein Blick sogleich Richtung Gipfel. „Schau mal“, sagte ich zu Thomas, „soweit ist es zum Gipfelkreuz doch gar nicht. Lass uns da kurz raufgehen, ja?“ Thomas fragte mich, ob ich mir sicher sei, was ich natürlich bejahte. Es waren doch nur 400 Höhenmeter.

400 Höllen-Höhenmeter

Nur. Kurz. Leider nein. Eher Kampf und Hölle. Der Aufstieg war unsagbar steil und wir befanden uns nunmal auch auf über 2.000 Höhenmetern (wie es uns auf über 3.000 Höhenmetern ging, erfahrt ihr hier). Die Luft war also ganz schön dünn und unsere Oberschenkel brannten. Ich machte ungelogen nach kurzer Zeit bereits nach je 10-20 Schritten eine Verschnaufpause. Thomas war besorgt und wollte, dass wir umdrehen. Er sei schließlich auch schon an seinem Limit beteuerte er mir. Das sah ich ihm auch an. Wie musste ich dann nur für ihn ausgesehen haben? Ich bin ein ganz schöner Sturrkopf, denn ich wollte einfach nicht umkehren. Stattdessen machten wir ganz viele Pausen. Ich hatte das Gefühl, dass wir mehrere Stunden brauchten, aber letztlich war es – mal wieder nur – eine Stunde. Weder in meinem Bauch noch in meinem Unterleib verspürte ich während des Aufstiegs Schmerzen und auch sonst hatte ich bezüglich der Schwangerschaft ein gutes Bauchgefühl. Andernfalls wäre ich selbstverständlich umgedreht.

Athmosphärische Aussicht

Angekommen auf dem Gitsch in Höhe von 2.512 Metern waren wir beide fix und alle. Und verschwitzt. Wir packten uns mit allen Klamotten ein, die wir dabei hatten, um uns nicht zu erkälten. Es begann zu nieseln und innerhalb von Minuten waren wir wolkenverhangen. Wir fürchteten in einen großen Schauer zu geraten, aber es blieb bei vereinzelten Tropfen. Dennoch war es ganz schön kalt, vielleicht gerade noch im zweistelligen Bereich. Der Ausblick war aufgrund der dahinziehenden Wolken oft nur partiell zu genießen, aber die Wolken gaben dem Ganzen eine spannende Athmosphäre. Einmal rissen sie so stark auf, dass wir bis in die Dolomiten schauen konnten. Wir verbrachten bestimmt eine halbe Stunde auf dem Gipfel, bevor wir uns langsam zum Abstieg begaben. Wir belohnten uns zunächst mit einem leckeren Mittagessen in der Gitschhütte (2.210 Meter) und dann mit einem Nachtisch in der Nesselhütte (2.113 Meter), welche direkt an der Seilbahnstation liegt.

 

Fazit

Wer im Besitz der Almencard ist, sollte sich die kostenlose Seilbahnfahrt mit der Nesselbahn nicht entgehen lassen – auch ohne weiteren Aufstieg zum Gitsch. Etwas weniger müde Oberschenkel sind in jedem Fall förderlich sowie Wanderstöcke, welche wir uns unbedingt noch zulegen wollen für unsere folgenden Bergtouren – gerade wenn wir dann noch unser Baby in einer Tragevorrichtung mitnehmen werden. Ansonsten ist der steile Aufstieg auch aufgrund der Höhenmeter kein Pappenstiel, aber ohne Stress auch mit laufenden Kleinkindern zu bewältigen (davon sind uns einige begegnet, noch mehr haben uns übeholt). Laut der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin liegt der kritische Punkt für Kleinkinder übrigens bei 2.500 Höhenmetern, also gerade noch so im Soll. Darüberhinaus besteht die Gefahr für höhenbedingte Krankheiten und Atemnot. Mehr dazu in einem separaten Beitrag.

Ort

Gitschberg, Südtirol, Italien

Überwundene Höhenmeter

400 Höhenmeter

Wegbeschaffenheit

viele Steine und Geröll; Vorsicht vor Rutschgefahr insbesondere aufgrund des steilen Anstiegs

Schuhwerk

Knöchelhohe Trekkingstiefel Anwendungsbereich B nach Meindl

Familientauglichkeit

Für Schwangere, für Familien, Tragevorrichtung für Kleinkinder, Kinderwagen nur Höhe Seilbahnstation

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