Meine Ernährung mit Gallensteinen in der Schwangerschaft

Seit Mitte Oktober 2017 weiß ich, dass meine zu Beginn akut entzündete Gallenblase zur Hälfte mit Gallensteinen gefüllt ist. Und dass daran erstmal nichts geändert werden kann, da ich schwanger bin. Der einzige Einflussfaktor, meine Schmerzen gering zu halten, ist die Ernährung.

Nach zwei Wochen Krankenhausaufenthalt habe ich die erste Woche mit selbstbestimmten Essen zu Hause verbracht. Ich bin nachwievor dabei, mich vorsichtig an verschiedene Speisen ranzuwagen. Und dabei schwanke ich regelmäßig zwischen Freude und kleinen Traueranfällen. Freude über Speisen, die ich essen darf und auch vertrage und Trauer über Speisen, von denen ich erstmal nur träumen darf (z. B. von eigentlich fast allem, was es bald auf den Weihnachtsmärkten geben wird…).

Zwei goldene Regeln: Weder zu fettige noch blähende Speisen

Aber fangen wir mal von vorne an. Eine der Hauptaufgaben der in der Galle enthaltenen, aber von der Leber produzierten Gallensäure ist die Verdauung von Fetten, indem die Fette in der Gallensäure aufgelöst und transportabel werden. Bei zu fetten Speisen (Pommes, Mayonnaise, fettes Fleisch, Cremetorten etc.) muss sehr viel Galle auf einmal ausgeschüttet werden, so dass sich die Galle sehr stark zusammenziehen muss. Eine schmerzhafte Gallenkolik kann die Folge sein, wenn sich ein Gallenstein auf Wanderschaft durch den Gallengang begibt. Insbesondere bei fetten Mahlzeiten schüttet die Galle eine große Menge Gallenflüssigkeit aus, wobei ein Gallenstein mit in den Gallengang gespült werden kann. Dort bleibt er zunächst stecken, wodurch sich der Gallengang krampfartig zusammenzieht. Darauf hin zieht sich wiederum die Gallenblase zusammen, um erneut Gallensaft auszuschütten, was durch die Verstopfung jedoch nicht gelingt.1 Bei mir führte die Gallenkolik durch die starke Reizung von Galle und Gallengang gar zu einer akuten Gallenblasenentzündung.

Blähungsfördernde Nahrungsmittel sollten während der Erkrankung sowie kurz nach einer Entfernung ebenfalls vermieden werden, da Blähungen den Druck auf die Gallenblase steigern. Kohlsorten, Hülsenfrüchte und Zwiebeln (bei mir gekocht in kleinen Mengen kein Problem), Steinobst, aber auch Vollkornprodukte wie Vollkornbrot, Haferflocken und Müsli gehörten leider dazu. Es gibt daher grundlegend zwei Ernährungsrichtlinien für Menschen mit Gallensteinen: Keine sehr fettigen/frittierten/kurz gebratenen sowie keine schwer verdaulich, weil blähenden Speisen. Desweiteren wird empfohlen, auf verdauungstraktreizende Speisen wie Kaffee, Alkohol, Schokolade, Süßigkeiten, Räucherwaren, scharfe Gewürze, Zitrusfrüchte und Obstsäfte weitgehend zu verzichten.

Es ist übrigens ziemlich interessant, dass ich zum Zeitpunkt meiner ersten Gallenkolik in meinem Smartphone fast ausschließlich Fotos von Speisen finde, welche überwiegend zu fett sind. Warum fotografierte ich eigentlich immer diesen ungesunden Scheiß? Gesundes, fettarmes Essen war es bisher offenbar nicht wert, weil ich mir mit fettem, ungesunden Essen offenbar was „gegönnt“ habe. Mal schauen, welche Fotos sich bei mir in den nächsten Monaten so ansammeln werden…

Kein Fett ist auch keine Lösung!

Immerhin circa 1 Liter Galle produziert unsere Leber täglich, welche in der Gallenblase gesammelt und konzentriert wird. Das ist ziemlich schlau, denn so wird sicher gestellt, dass ein genügend großer Vorrat an Gallenflüssigkeit für die Verdauung zur Verfügung steht, egal wann und wieviel wir essen. Wird zu fettarm gegessen, wird sehr wenig Gallensaft ausgeschüttet. Der Rest verweilt daher lange in der Gallenblase und wird stark eingedickt. Fetthaltige Nahrung darf daher in keinem Fall komplett vermieden werden, denn das begünstig die Bildung von Gallengries oder Gallensteinen, die wiederum eine Kolik und/oder Entzündung auslösen können. Das sparsame Einsetzen von Fetten wie Butter und Pflanzenölen, aber auch fettarme Speisen wie fettreduzierter Käse bis zu 30% Fett i.Tr., Buttermilch, magerer kalter Braten, mageres Rind etc. ist also sehr wichtig, um sowohl keine Koliken als auch keine neuen Gallensteine zu bekommen.

Was auf meinen Tisch und in meinen Magen kommt

Im Krankenhaus habe ich die Phase von Aufbaukost bis hin zu leichter Dauerkost begonnen. Das heißt, dass ich neben ungesüßtem Tee (vor allem FAK-, Pfefferminz und Kräuter-Tee) und Wasser nach Zwieback, Weißbrot und Suppen (Brühe, Nudeln/Reis, Karotten, Petersilie) begonnen hatte, leicht verdauliches Gemüse (Karotten, Kartoffeln, Spargel, Spinat), gekochten Fisch, Grießbrei und Obst (v. a. Birnen-, Apfelkompott) zu essen.

Ich habe mich – und das ist mein genereller Tipp – immer vorsichtig an „Neues“ rangetastet ohne dabei zu 100% Tabu-Speisen auszuschließen. Ich werde natürlich kein Eisbein probieren und auch keinen frittierten Backfisch, aber ich habe zum Frühstück auch ganz langsam eine Scheibe Toast mit dünner Nuss-Nugat-Creme (viel Fett) aber auch mit Pflaumenmus (Steinobst, aber nicht frisch) getestet. Ich habe auch festgestellt, dass ich Äpfel und Birnen ohne Schalen besser vertrage und auch ein kleines Stück Schokolade für mich in Ordnung ist.

Meine bisherigen Mahlzeiten/Snacks:

  • Weiß- oder Mischbrot, (am Besten nicht frisch, weil weniger blähend) Knäckebrot mit selbstgemachtem Quark-Käse-Aufstrich2, fettarmen Käse, Schinken, Hüttenkäse und Kresse; mit einem pochierten weichen Ei (Achtung, kein hartgekochtes Eis, da sehr schwer verdaulich); mit Avocada-Aufstrich (saure Sahne (10% Fett), etwas Senf und Zitronensaft); mit Honig oder Marillenmarmelade
  • saftiges Rührei mit in Öl angeschwitzten und in Wasser weichgekochten Zucchini-Scheiben mit Kresse
  • eingeweichte (Dinkel-)Cornflakes mit Milch
  • Griesbrei (Alnatura mit 1 EL Zucker) und/oder Apfel- oder Birnenkompott
  • Naturyoghurt/Buttermilch mit Banane, Birne, Apfel, Himbeeren oder Heidelbeeren
  • Brühe mit Suppennudeln
  • Kartoffel-Möhren-Brei mit Tiefkühlgemüse oder gedünstetem Mischgemüse (Brokkoli, Blumenkohl Karotten, Spargel, Erbsen (kleine Menge scheint zumindest bei mir nicht zu blähen)) und Pangasius, Heilbutt oder Scholle (fettarm, im Ofen mit Backpapier umwickelt gegart)
  • Nudelauflauf mit Brokkoli (ohne Sahne und Butter)
  • weiße Nudeln mit pürierter Tomatensauße (Tomaten hatte ich geschält, da ich die Haut nicht vertrage), gekochten Garnelen und Grana Padano (Fett 32% i. Tr. – noch im Rahmen)
  • Zucchini-Suppe
  • Kartoffeln mit Quark
  • Süßkartoffel-Pommes (im Ofen mit etwas Öl schonend gebacken), Gemüse und fettarmen Fisch
  • Klöße mit schwedischem Gemüse und im Ofen zubereiteten Kalbsschnitzel
  • Kartoffel-Möhren-Brei mit Rührei mit Zucchini und Blattspinat
  • Thai-Suppe mit Kokosmilch,  Tomaten, Zucchini und Möhren; mit Garnelen auch sehr lecker
  • Zucchini gefüllt mit Karotten, Tomaten, Ei, Schafskäse mit Kartoffel-Möhren-Brei
  • Karotten-Lasagne mit Tomaten und Grana Padano
  • Bulgur mit Blumenkohl-Brokkoli-Gemüse und Wels (sehr fettarmer Fisch)  aus dem Backofen
  • Reis mit gefüllten Süßkartoffeln (Möhren, Knoblauch, Blattspinat, Cherrytomaten und Ziegenkäse 9% Fett))
  • Kartoffelbrei, schwedisches Gemüse mit im Ofen gegarten Hackfleischbällchen mit Rosmarin und einer Rinderbouillon
  • Mandarine, Grapefruit, geschälte/r Apfel/Birne
  • Möhren, Gurke, rote Beete, Karotten-Apfel-Salat
  • Biskuit-Kekse mit wenig Fett (z.B. Digestive von Mc Vities, belVita – Sorte Cerealien & Milch)
  • ab und zu ein paar Gummitiere und ein kleines Stück Schokolade (Juhu!)
  • Tipp: Ich trinke morgens ein Glas Wasser mit 1TL Zitronensaft und 2TL Apfelessig. Habe das mehrfach gelesen und auch empfohlen bekommen, da diese Mischung das Auflösen der Gallensteine befördern könnte.
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Zucchini-Suppe
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Klöße mit schwedischem Gemüse und im Ofen zubereiteten Kalbsschnitzel
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Saftiges Rührei mit in Öl angeschwitzten und in Wasser weichgekochten Zucchini-Scheiben mit Kresse
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Thai-Suppe mit Sesambrötchen und Avocado-Aufstrich
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Pochiertes Ei mit Kresse
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Nudel-Broccoli-Auflauf
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Kartoffel-Möhren-Brei mit Mischgemüse und Heilbutt
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Zucchini gefüllt mit Karotten, Tomaten, Ei und Schafskäse (9% Fett), in Gemüsebrühe gegart
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Karottenlasagne mit Tomaten und Grana Padano
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Bulgur mit Blumenkohl-Brokkoli-Gemüse und Wels aus dem Backofen
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Kartoffel-Möhren-Brei mit Rührei mit Zucchini und Blattspinat
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Reis mit gefüllten Süßkartoffeln (Möhren, Knoblauch, Blattspinat, Cherrytomaten und Ziegenkäse 9% Fett))
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Kartoffelbrei, schwedisches Gemüse mit im Ofen gegarten Hackfleischbällchen mit Rosmarin und einer Rinderbouillon

Fazit

In jedem Fall ist es zu empfehlen, viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen, so dass die Galle regelmäßig aber nicht zu stark beansprucht wird. Mir kommt das in der Schwangerschaft ohnehin entgegen, da ich zunehmend weniger Platz in der gesamten Oberbauchregion habe. Eine leichte Abendspeise oder ein Nachtsnack (Banane, Zwieback) ist auch sinnvoll, da dadurch der Gallensaft nicht zu lange Gefahr läuft über Nacht einzudicken.

Dennoch ist man auch dann nicht vor Koliken geschützt, vor allem wenn man viele Gallensteine hat. Ich hatte in der vergangenen Woche höchstwahrscheinlich zwei Mal das schmerzhafte „Vergnügen“, denn ich hatte zweimal ganz akut für circa 15 Minuten die bekannten, wenngleich noch nicht ganz so immens starken Schmerzen wie vor drei Wochen im rechten Schulterblatt und Oberbauch. Mein behandelnder Oberarzt im Chemnitzer Klinikum bestätigte mir erst gestern bei einem ambulanten Termin, dass dies perspektivisch nicht die letzten Wanderungen meiner Gallensteine gewesen sein werden. Dafür zeigt sich mein Bauchbewohner von den ganzen Geschehnissen bisher unbeeindruckt und wächst und gedeiht ganz vorzüglich – hoffentlich noch so lange wie möglich!

1http://gallenblase.gesund.org/krankheiten/gallenkolik.htm

2Fortis, Irmgard et al., Ernährung bei Gallensteinen und nach der Gallenblasenentzündung, 4., überarb. Aufl., Wien 2017.

2 Kommentare zu „Meine Ernährung mit Gallensteinen in der Schwangerschaft

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