Wie mich zwei Wochen Krankenhaus auf die Geburt als Mutter vorbereiten

Eigentlich wollte ich hier primär über das Wandern auf schönen Wegen in und nach der Schwangerschaft berichten. Aber Erstens kommt es anders und Zweitens als man denkt. Deswegen habe und werde ich auch über meinen (gallen-)steinigen Schwangerschaftsweg berichten.

Zweifache Geburt als Mutter

In diesem Beitrag geht es darum, meinem derzeitigen fast zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt positive Aspekte in Vorbereitung meiner Geburt als Mutter abzugewinnen.
Nicht nur wird bei einer Geburt (m)ein Kind geboren, sondern es wird auch immer eine Mutter geboren. Zunächst einmal ganz augenscheinlich physisch und dann peu au peu auch psychisch durch die im Alltag wachsende Bindung zum Baby und der zunehmenden Sicherheit, souverän als Mutter auf jegliche Bedürfnisse eingehen zu können. Das beschreibt Daniel N. Stern (mit Nadia Bruschweiler-Stern und Alison Freeland) in seinem Werk „Geburt einer Mutter“ ganz plausibel aufbauend und exemplarisch anhand von Erfahrungsberichten werdender und gewordener Mütter.

Das imaginierte Baby

Während der Schwangerschaft bereitet sich die Frau nach Stern auf unterschiedlichste Weise aufs Mutter werden vor. Zentrale Rolle spielt dabei das Imaginieren des Babys. Überwiegend wünscht man sich positive Eigenschaften, eine leichte Handhabung und eine innig-schöne Zeit mit dem Baby. Zunehmend überträgt die Frau dabei eigene Eigenschaften, die sie an sich mag, auf ihr imaginiertes Baby. Damit kann ich mich durch die erzwungene Genesungsruhe derzeit auch aktiv beschäftigen. Dabei imaginiere ich auch mich und Thomas in unserem neuen Babyalltag. Wie wird unser Wurm sein, wie läuft es mit Baby und Hunden, wie wird Thomas tragen, wie werde ich stillen? Ich habe dazu erste Wunschvorstellungen. Ich habe außerdem die Ruhe in meinen Bauch reinzuspüren, die Bewegungen zu fühlen und positive Energie und liebe Worte zu meinem Bauchbewohner zu schicken und ihn mir vorzustellen. Dazu bin ich in den letzten Monaten einfach zu selten gekommen. Ich genieße das Innehalten und die Vorstellung meines Babys.

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Schon jetzt imaginieren wir uns zu Dritt

Wenn das reale Baby zu früh kommt

Frauen, die keine Spontangeburt erleben, vielleicht sogar einen Kaiserschnitt noch vor der 37. Woche benötigen, werden nicht nur mit einem überwiegend ungeplanten Geburtsablauf konfrontiert, auf den sie sich mental nicht oder wenig vorbereiten konnten. Sie werden insbesondere im Falle eines Frühchen auch viel zu früh mit dem realen Baby konfrontiert, so dass oftmals auch bezüglich des imaginierten versus des realen Babys Belastungen durch Abweichungen von den Vorstellungen entstehen. Bei mir steht eine Kaiserschnitt-Frühgeburt durch die Gallensteine, die immer wieder eine neue Gallenkolik auslösen können, die operativ mitsamt Galle entfernt werden müssten, potentiell nachwievor im Raum. Auch darauf kann ich mich also vorbereiten und dennoch dabei positiv bleiben, da eine Spontangeburt nachwievor nicht ausgeschlossen ist.

Intellektuelle Vorbereitung

Zudem habe ich im Krankenhaus endlich mal richtig viel Zeit, mich mit allen mich interessierenden Themen rund um die Schwangerschaft intensiv zu beschäftigen und nicht nur nach der Arbeit mal eine halbe Stunde Lektüre einschieben zu können, wie oftmals bisher. So habe ich neben dem zitierten Buch von Stern „Artgerecht“ von Nicola Schmidt, „Geborgen Wachsen“ von Susanne Mierau, „Intuitives Stillen“ von Regine Gresens und „Das Wochenbett“ von Loretta Stern und Anja Constance Gaca gelesen bzw. verschlungen. Meine Wunschvorstellung ist es daher auch, eine Spontangeburt mit Zeit fürs Bonden bis zum ersten Stillen durch das Neugeborene zu erleben und mein Baby artgerecht (Stillen, Tragen, gemeinsames Schlafen, bedarfsweise windelfrei) und geborgen (bedürfnisorientiert) zu umsorgen. Inwiefern das klappt? Darauf bin ich selbst gespannt.

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Meine kompakte, vorbereitende Buchsammlung

Was soll ich nur Anziehen? Das, was da ist!

Neben dem Imaginieren meines Babys und dem Umgang mit ihm hilft mir der Krankenhausaufenthalt auch auf Alltagsebene, mich auf Aspekte der Mutterschaft einzulassen: Ich ziehe hier an, was Thomas mir mitbringt. Er greift in den Kleiderschrank und packt ein, was ihm in die Hände kommt. Ich wähle meine Kleidung sonst immer am Morgen danach aus, wie ich mich fühle und ob ich mich damit wohlfühle. Ich könnte Thomas daher auch schwer sagen, was er mir für die nächsten Tage mitbringen sollte. Die Zeit für diese allmorgendliche Prozedur möchte ich mir mit Kind nicht mehr nehmen, weil es mitunter schlicht eine Weile dauert. Kostbare Zeit also, die ich so zu Gunsten des Kindes einsparen kann, ohne ja dabei doof auszusehen. Die Priorität verlagert sich und das ist für mich sogar eine sehr entlastende Vorstellung. Ich habe mich im Krankenhaus an keinem Tag unwohl gefühlt, anzuziehen was ich von Thomas mitgebracht bekam. Es ist sogar befreiend. Schließlich sind es ja auch meine Klamotten.

Haushalt, aber nicht sich selbst links liegen lassen

Darüber hinaus bin ich hier auf das Nötigste beschränkt. Ich habe was zu Essen, was zum Anziehen, ich kann Körperpflege betreiben, ich kann interessante Bücher lesen (Hobby) und ich kann (theoretisch) schlafen. Ich mache keine haushaltsbezogenen Tätigkeiten. Nun gut, ich werde im Krankenhaus dazu auch alles andere als verleitet, aber es ist eine gute Übung für mich, auszuhalten, dass Thomas gerade den kompletten Haushalt schmeißt, den er natürlich anders schmeißt als ich 😉 Und seine Weise funktioniert so wie meine funktioniert. Und darauf werde ich Bauen müssen, denn ich bin ein Arbeitsschwein und kann schwer den Abwasch oder die Wäsche liegen lassen. Aber ich möchte es lernen, um nicht in ein Burnout zu geraten. Ich möchte wie von Susanne Mierau empfohlen, möglichst dann zur Ruhe kommen und Energie auftanken, wenn unser Wurm schläft – vorausgesetzt ich bin auch kaputt, wovon ich mal stark ausgehe. Ich möchte aktiv daran arbeiten, den Haushalt liegen zu lassen, wenn ich die Möglichkeit habe, mir eine Pause einzuräumen. Das wird eine Umstellung, denn ich werde Aufgaben und damit Kontrolle abgeben. Aber gerade die Zeit des Auftankens wird Gold wert sein, für mich, für das Baby und für Thomas. Denn glückliche Eltern = glückliche(s) Kind(er). Darauf bereitet mich das Krankenhaus auch schon vor, denn wenn ich hier tagsüber müde bin, mache ich die Augen zu – natürlich habe ich hier keinerlei Verpflichtungen, aber ich hätte in der Zeit auch das Buch xy weiterlesen können. Dagegen habe ich mich dann aber aktiv entschieden.

Fazit: Fokus trotz Entschleunigung

Aller Anfang ist schwer, aber der Krankenhausaufenthalt stellt sich als eine unintendiert-praktische Trockenübung für mich in Vorbereitung auf die Zeit als Mutter dar, für die ich aus diesem Blickwinkel dankbar bin. Ich bin entschleunigt und dabei auf das Wesentliche fokussiert. Klingt nach einer guten Strategie für meine baldige Zeit als Mutter. Oder was meint ihr?

2 Kommentare zu „Wie mich zwei Wochen Krankenhaus auf die Geburt als Mutter vorbereiten

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