Klinischer und kulinarischer Aufstieg

In diesem Beitrag erfahrt ihr nicht nur, dass meine Gallenblasenentzündung auf dem Rückmarsch ist, sondern auch welche Hochgefühle simple Industrienahrung auslösen kann.

Am vergangenen Sonntag war wieder ein goldener Oktober-Tag und zwar gleich in mehrerlei Hinsicht: Nicht nur bekam ich Besuch von Thomas und meinem besten Freund, der für ein paar Stunden extra aus Berlin mit dem Bus anreiste, sondern wir durften uns gleich zu dritt über meine neuen Blutwerte freuen: Der Entzündungsparameter war nach fünf Antibiotika-Behandlungen innerhalb von zwei Tagen von 150 auf 120 gesunken!  Damit war er natürlich immer noch ziemlich hoch. Laut den Ärzten sei das aber schon ein sehr gutes Zeichen; es zeige, dass die Antibiose angeschlagen habe. Die Werte der Leber und der weißen Blutkörperchen waren sogar wieder im Normalbereich. Wir haben uns unglaublich gefreut. Die positive Einstellung schien sich auszuzahlen, dass unser Wurm weiterhin in meinem Bauch hausen kann – wenngleich auch den Gallensteinen dieser Luxus erhalten bleibt.

Kurz vor der Verzweiflung

Zu guter Letzt erhielt ich aufgrund meiner verbesserten Blutwerte nach 50 Stunden ohne Festnahrung endlich die Erlaubnis wieder was zu Essen: Zwieback!

Ich war im siebten Himmel des kulinarischen Höchstgenusses. Ich hätte es auch kaum noch länger ausgehalten. Zumal ich kurz vor der Mitteilung der Ärzte von der gynäkologischen Station auf die Schwangeren- und Geburtsstation verlegt wurde (dort war nun endlich ein Platz für mich frei). Die Verlegung fand zu meinem Unglück genau zur Mittagszeit statt, als eine meiner zwei Zimmernachbarinnen gerade mitten beim Essen war. Das war zu viel für mich. Ich machte auf dem Absatz kehrt und setzte mich mit meinen Medikamentenbaum in den Flur. Ich war verzweifelt. Der Essenwagen wurde an mir vorbei geschoben. Ich war den Tränen nah. Ich konnte an nichts anderes mehr Denken, als endlich irgendetwas essen zu dürfen.

Kulinarische Orgasmen

Eine Stunde später hatte das Leiden endlich ein Ende. Insgesamt habe ich bis abends in aller Ruhe und Vorsicht 12 Stück Zwieback genossen und zwar jedes einzelne Stück. Unglaublich, was Essenentzug mit den Geschmacksknospen anstellt. Noch schöner war, dass meine Galle die Nahrung vertrug und ich keinerlei Beschwerden bekam. Ich war unendlich erleichtert. Am nächsten Tag blieben wir bei Zwieback, um nicht zu schnell die Galle zu überlasten. Ich schaffte 15 Stück. Gestern wurde dann ein weiterer Traum wahr: Ich bekam neben Zwieback zum Mittag und zum Abendbrot eine sogenannte OP-Suppe für Kaiserschnitt-Patientinnen. Brühe mit totgekochten Nudeln oder Reis und Möhren, garniert mit trockener Petersilie. Null Vitalität, aber dennoch ein kulinarischer Orgasmus. Mein Magen knurrt gerade immens, verzehrt sich vor Sehnsucht. Gott sei Dank bekomme ich ihn gleich wieder, diesen Suppentraum. Und morgen wird es eine weitere Steigung geben: Weißbrot mit Honig zum Frühstück, Grießbrei zum Mittag und Weißbrot mit Geflügelwurst zum Abendbrot. Mir tropft der Zahn.
Vielleicht darf ich bald mal wieder einen Keks essen oder Gummibärchen naschen. So oder so werde ich alles genießen und mich über alles freuen, dass ich essen kann während mein Wurm noch in mir wohnt. Die Galle und die Gallensteine werde ich hoffentlich nach dem Wurm rausschmeißen können.

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Essens-Update vom 19.10.:

Hier erfahrt ihr, welche weiteren kulinarischen Höchstgenüsse ich trotz Gallensteinen zu Hause schon erprobt habe.

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