Vom Schlafentzug und Essverbot auf dem Weg zur Genesung

„Folter im Krankenhaus“, so hätte ich meinen Erfahrungsbericht auch nennen können. Denn keinen Schlaf und kein Essen zu bekommen und mit Medikamenten vollgepumpt zu werden, ist wahrlich kein Ponyhof-Leben.

Ich konnte in der Nacht von Freitag auf Samstag  partout nicht einschlafen. Es war schon Mitternacht durch. Dabei waren meine Augenlider unglaublich schwer. Aber meine Füße zuckten unentwegt. Mal wieder dieses lästige Restless-Leg-Syndrom. Das Kissen und die Matratze leisteten ihren zusätzlichen Beitrag: sie sind hart wie Bretter. Schon nach wenigen Minuten tut mir als Nicht-nur-in-der-Schwangerschaft-Seitenschläferin mein jeweiliger Hüftknochen und die Schulter weh. Ich wechsele daher so oft die Seite, dass Thomas sich im Vergleich dazu glücklich schätzen sollte, wenn ich mit meinem „normalen“ Wechsel-die-Seite-Schlafverhalten ihn so manchmal um seine wohlverdiente Nachtruhe bringe – und hoffentlich bald wieder bringen werde. Es könnte also noch viel schlimmer sein (und wird es auch garantiert, wenn unser Wurm in seinem Beistellbett zu unserer Schlafgemeinschaft stoßen wird).

Die fiesen Kekse

Aber das ist noch nicht alles. Um 12:20 gestern hatte ich zum letzten Mal was gegessen. Jetzt ist es 14:45 Uhr und ich habe seit über 24 Stunden nichts gegessen. Ganz großes Kino ist, dass sich vor meiner Zimmertür die Essensstation meiner Station befindet, die nicht schwer vorstellbar insbesondere mittags die mittlerweile leckersten Gerüche verbreitet. Ich sehne mich nach der noch am Vortag bestellten Kartoffelsuppe mit Würstchen. Auf dem Weg zur Toilette – ich liege selbstverständlich im einzigen Patientenzimmer ohne eigenes Bad, was erklärt, dass das zweite Bett bisher nachwievor leer ist, da dies den überwiegend älteren Frauen auf der Station nicht zugemutet werden kann-, die ich sehr oft aufsuche, laufe ich an einem Obstkorb vorbei, in welchem auch nachwievor Kekse liegen, für die sich einfach niemand erbarmen will. Das Obst und die Heidesandkekse werden immer unwiderstehlicher für mich.

 

 

Wurstparty, ich komme!

Heute vormittag konnte ich endlich etwas schlafen und habe davon geträumt, heimlich ein Butterbrötchen zu essen. Ich habe immerhin auf die ungarische Salami verzichtet, welche sich im Traum als Aufschnitt anbot. Ich bin ja schließlich schwanger. Ich werde mich nach der Geburt von Salami und Kalbsleberwurst und Hackepeter ernähren, bis ich fast umfalle – und das als eigentlich seltener Fleischesser. Nachdem ich aufgewacht war, fühlte ich mich für einen kurzen Moment ganz schlecht, als hätte ich tatsächlich dieses Butterbrötchen gegessen.

Medikamente statt Industriezucker – lecker 😦

Besonders schwer, eigentlich schon mies und brutal ist der Industriezuckerentzug. Schrecklich. Also eigentlich nicht, aber eben doch. Ich will Dinkeldoppelkekse von Alnatura, Haribo Colorado und Nugatschokolade; am Liebsten die Nugatrollen von Viba. Aber ich würde auch fünf Äpfel essen oder einfach einen Teller voller Salzkartoffeln. Zurück zur Anti-Nachtruhe: Seit gestern Abend bin ich sowas wie eine Befüllstation intravenöser vielfältiger Flüssigkeiten: täglich 500ml Glucosteril, 1500ml Jonosteril (oder auch von einem Arzt als „flüssiges Schnitzel“ bezeichnet), 3x100ml Paracetamol und als Wichtigstes 3×250ml Antibiotikum. Bewegt euch mal mit einem Infusionsständer im Bett, der leider nicht automatisch die Bettseite wechselt. Wenigstens handelt es sich mittlerweile um Plastikkanülen, andernfalls würde ich mir innerhalb kürzester Zeit alle Venen zerstechen.

 

 

Aktiver Wurm statt fiese Kekse

Nichtsdestotrotz geht es mir bis auf das überwältigende Hungergefühl und Schwächegefühl schmerztechnisch schon besser. Zwar habe ich derzeit Thomas nur zu Besuch bei mir, vermisse unsere Hunde und natürlich das Essen, aber dafür habe ich unseren Wurm bei mir, der weiterhin wild und aktiv und offenbar bisher völlig unbeeindruckt sein Ding in meinem Bauch macht. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Zu unseren zwei täglichen CTGs darf ich regelmäßig auf Herzschlagsuche gehen. Unser Wurm schwimmt immer wieder davon, noch hat er zu Beginn der 27. SSW genug Platz dazu. Held des Tages ist Thomas, der vor unserem kurzen Herbstluftschnuppern – zu dem er mich ganz vorsichtig mit einem Rollstuhl chauffierte – die fiesesten Kekse der Welt eiskalt in den Mülleimer warf.

 

 

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