Mein Weg auf der Suche nach einer Diagnose

In meiner 26. Schwangerschaftswoche komme ich mit akuten Schmerzen ins Krankenhaus. Es braucht fast drei Tage, bis wir die  erschütternde Diagnose erfahren.

Am 11.10. war ein schöner Herbstabend, so dass Thomas vorschlug, ohne die Hunde einen kleinen Spaziergang durch unser Viertel zu machen. Zum Ende des Spaziergangs nahmen meine hinteren Rippenbogenschmerzen erheblich zu. Ich hatte diese seit circa sechs Wochen immer mal wieder, sowohl weniger aber auch stärker. Die Frauenärztin und der Orthopäde schrieben es den zunehmenden Veränderungen in der Schwangerschaft zu. Aber relativ schlagartig fühlte es sich angekommen zu Hause höllisch an. Ich begann mich auf dem Bett weinend und schmerzerfüllt zu winden, auf der Suche nach irgendeiner Position, in welcher die Schmerzen halbwegs zu ertragen gewesen wären. Ich fand einfach keine. Hinzu kam nun, dass sich der Schmerz wie eine Art Gürtel um meinen Körper legte und besonders der Magenbereich nun auch noch unaushaltbar begann zu schmerzen. Ich wusste nicht mehr was los war.

Der Notarzt musste her

Thomas rief den Notarzt. Innerhalb von wenigen Minuten waren zwei Sanitäter da, innerhalb weiterer weniger Minuten waren wir in der Zentralen Notaufnahme des unweit von uns gelegenen Chemnitzer Klinikums. Von da ging es weiter zur Frauenklinik. Wehen wurden ausgeschlossen, dem Baby ging es gut, der Gebärmutterhals war tiptop. Heulend und jaulend wurde ich wieder zurück in die ZNA gebracht. Dort ergaben die Sonographie meiner Organe und ein Blutbild keine Auffälligkeiten. Die Suche ging weiter, ich kam zurück in die Frauenklinik und sollte dort aufgenommen werden.

Befundlos fehl am Platz

Ich verbrachte die Nacht mit drei anderen Frauen, denen alle die Gebärmutter entnommen wurde, in einem Wachzimmer. Ich hatte in der ZNA ein starkes Schmerzmittel erhalten, von dem ich mich mehrmals übergeben musste. Daher die „Überwachung“. Alle Frauen schnarchten und ich fühlte mich ohne Schlaf und ohne Diagnose fehl am Platz und konnte kein Auge zu machen. Am nächsten Morgen kam ich gerädert in ein leeres Zweibettzimmer. Ich sollte eine erneute Sonographie bekommen, gleichzeitig wurden zweimal täglich Herztöne und Wehen des Babys gecheckt. Ich wartete vergeblich auf meine Sonographie, dafür bekam ich am Abend erneut diese „Gürtelschmerzen“. Der Ultraschall ergab erneut, dass zumindest mit unserem Wurm alles bestens war. Ich bekam Entkrampfungs-(Buscopan) und Schmerzmittel (Paracetamol). Ich konnte halbwegs schlafen, hatte jedoch enorme Angst vor der nächsten Schmerzattacke.

Endlich die Diagnose

Am dritten Tag bekam ich nach dem leckeren Mittag (Kaiserschmarrn mit Vanillesoße), welches sich dann als meine Henkersmahlzeit dem Essverbot entpuppen sollte, endlich meine Sonographie. Diese war entgegen meiner Befürchtung einer Detektivsuche sofort eindeutig: Gallenblasenentzündung und Gallensteine. Wie konnten die 1,5 Tage vorher übersehen werden? Mussten nicht die Entzündungswerte im Blut hoch gewesen sein? Meine eine Stationsärztin nahm an, dass womöglich der Darm die Gallenblase verdeckt haben könnte. Der eine Entzündungswert lag bei meiner Einlieferung bei 12 und war damit nur minimal erhöht. Mittlerweile war dieser Wert auf 150 angesprungen; er hatte sich in weniger als 48 Stunden fast verzehnfacht! Klinische Symptome zeigten sich eher, als dass sie formal im Blut nachweisbar sein könnten. Mehr als doof.

Wie sollte es weitergehen?

Ich wurde nun noch einmal einem Chirurgen vorgestellt, welcher zunächst nur zwei Möglichkeiten für meinen Fall benannte. Eigentlich müsste die Gallenblase mitsamt Gallensteinen entfernt durch eine offene Operation werden. Dies berge jedoch die große Gefahr einer Frühgeburt, welche zum jetzigen Zeitpunkt sehr grenzwertig wäre. In mir brach eine Welt zusammen. Bisher lief mit dem Wurm alles bestens und nun sollte diese in Schwangerschaften zu 5% auftretende Kack-Entzündung, die bei 1% zu Beschwerden führt, das Leben unseres Babys riskieren? Die zweite Möglichkeit ist eine intravenöse Antibiotika-Therapie über 7 Tage mit drei täglichen Dosen (Update 19.10.: Die Ärzte haben auf 10 Tage erhöht, um auf Nummer Sicher zu gehen). Falls diese anschlagen würde, könnte die Entzündung in meinem Körper lahm gelegt werden; die Gallensteine würden davon jedoch nicht verschwinden. Wir würden bei Erfolg Zeit gewinnen, einzig darum geht es. Zeit, damit unser Wurm so lange wie möglich in meinem Bauch weiter gedeihen kann. Die operative Entfernung der Gallenblase müsste dann nach der Geburt erfolgen. So oder so also raus damit. Auch das war ein Schock. Eine mögliche dritte Variante benannte uns dann anschließend eine Stationsärztin: Auch eine rein symptomatische Behandlung nur der Schmerzen wäre möglich, da die Entzündung nicht auf das Baby übergehe. Allerdings ist die Auswahl an gezielten Schmerzmitteln in einer Schwangerschaft stark begrenzt, so dass wir nun alle hoffen, dass die am nächsten Tag zu beginnende Antibiotika-Therapie wirken würde. Der Chirurg schätzte die Erfolgsaussichten hoch ein und das machen wir jetzt auch: Kämpfen und Hoffen!

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