Schwanger auf über 3.000 Höhenmetern

In meiner 14. Schwangerschaftswoche mitten in Südtirol entschlossen wir uns dazu, zum ersten Mal in unserem Leben einen Gletscher zu sehen: den Hochjochferner in den Ötztaler Alpen. Wie es mir dabei ging und auf was ihr in eurer Schwangerschaft achten solltet, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Als wir unseren Urlaub in Südtirol geplant und gebucht hatten, war ich noch nicht schwanger. Als wir es dann Mitte Mai drei Monate vor dem Urlaub erfuhren, haben wir uns irrsinnig gefreut. Und dann rechneten wir erstmal: In die 14. – 15. Schwangerschaftswoche würde unser Urlaub also fallen. Damit wären wir zumindest schon mal über dem kritischen ersten Schwangerschaftsdrittel, dem 1. Trimenon. Bevor ich Dr. Google weiter um Rat fragen wollte, besprach ich lieber erstmal mit meiner Frauenärztin, ob es ihrerseits irgendwelche Bedenken gebe für unseren geplanten Wanderurlaub in Südtirol. Sie gab mir den meiner Meinung nach wichtigsten Ratschlag auf den Weg, der sich in keiner Höhenmetergrenze angeben lässt, nämlich schlicht und einfach auf meinen Körper zu achten.

Höhenmetergrenze für Schwangere als Kriterium?

Es gibt aber Ärzte, die raten ihren Patientinnen, alles über 1.700 Metern zu meiden. Internetsuchergebnisse geben zu dem Thema eine Höhenmetergrenze zwischen 2.000 und 2.500 Metern an. Warum überhaupt? Je höher man sich über dem Meeresspiegel befindet, umso geringer wird der Sauerstoffgehalt der Höhenluft. Dadurch wird die Versorgung von Mutter und Kind erschwert. Schwangere kommen generell schon eher in Atemnot z.B. beim Treppensteigen, da sich die Atemfrequenz für die Sauerstoffversorgung des Babys erhöht.

Höhenmetergrenze für Schwangere als Orientierung!

Man könnte nun meinen, dass meine Frauenärztin vielleicht viel zu lapidar mit dem Thema umgegangen sein könnte. Aber in meiner anschließenden Recherche bei Dr. Google bin ich auf einen sehr hilfreichen Artikl von Claudia Klingelhöfer gestoßen: „Bergsport in der Schwangerschaft: Höhenmeter ohne Limit?“. Darin verweist Klingelhöfer, die Bergsport in der Schwangerschaft betrieben hat, auf Dr. Walter Treibel, den ehemaligen Leiter der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin. Auch er gibt zwar eine Grenze an – und zwar ganze 3.500 Meter jedoch für kurzfristige Höhenaufenthalte – allerdings weist Treibel vielmehr noch darauf hin, dass es eine pauschale Höhenmetergrenze nicht gibt, sondern viel mehr die individuelle Leistungsfähigkeit und auch der Verlauf der Schwangerschaft im Vordergrund stünden.

Neben der eigenen Fitness und der Entwicklung der Schwangerschaft spielt auch die Akklimatisierung, sprich die schrittweise Gewöhnung an die Höhenmeter eine wichtige Rolle. Die Höhenmetergrenzen können in jedem Fall aber zur Orientierung dienen, vor allem für untrainierte Schwangere sowie insbesondere für Schwangere mit Risiken.

Akklimatisierungsphase

Nach fünf Tagen Akklimatisierungsphase mit Wandern und Radfahren in Südtirol auf Höhenmetern zwischen 1.300 bis 2.500 traute ich mir zu, einen Traum wahr zu machen, den ich seit einiger Zeit hatte: Endlich mal einen Gletscher sehen – so lange sie noch zu sehen sind! Ich empfehle euch passend dazu die 2014 mit einem Emmy ausgezeichnete Dokumentation „Chasing Ice“ – beim mehrmaligen Zusehen des massiven Rückgangs der Gletscher weltweit hat es mir den Atem verschlagen.

Der Hochjochferner

Es bot sich der Hochjochferner in den Ötztaler Alpen auf Südtiroler Seite an. Es handelt sich im Vergleich zum größten Gletscher der Alpen – den Aletschgletscher (über 20 Kilometer lang) – oder den größten Gletscher der Welt – den Lambertgletscher (420 Kilometer lang!) – um einen verhältnismäßig kleinen Gletscher von 3 Kilometern Länge, aber wir waren beeindruckt von unserem ersten Gletscher. Der Hochjochferner weist einen Höhenbereich von ca. 2.500 bis 3.500 auf. Wir sind in Kurzras mit der Schnalstaler Gletscherbahn aus dem Tal (2.011 Meter) zur Bergstation „Grawand“ auf 3.212 Meter Höhe gefahren. „Grawand“ ist gleichzeitig das am höchst gelegene Hotel Europas. Von der Bergstation haben wir dann den Grawand-Sessellift genommen, der uns über die Ausläufer des Gletschers führte. Wenngleich sich binnen von Minuten mal mehr mal weniger Wolken die Gipfelspitzen und entlang des Hochjochferners schoben, so war die Aussicht für uns einmalig. Wir fotografierten was das Zeug hielt, mal ultraweit, um die Dimension des Teils des Gletschers einzufangen, den wir sahen, mal mit Teleobjektiv, um das marmoriert aussehende Eis festzuhalten. Wenn ihr vor Ort Lust auf mehr habt, ist der Aufstieg zum Gipfelkreuz der Grawand-Spitze auf 3.251 Metern Höhe sowie der Grawand-Panorma-Weg zu empfehlen.

 

Mein Befinden

Aus Zeitgründen haben wir uns entschieden, von Kurzras die Seilbahn zu nehmen, statt über 1.000 Höhenmeter zu laufen. Ich war erst etwas skeptisch, da die Schnalstaler Gletscherbahn damit wirbt, in nur sechs Minuten die Bergstation „Grawand“ anzusteuern. Hmmm, für die Akklimatisierung nicht so optimal, dachte ich und schluckte, um den Druck in meinen Ohren auszugleichen. Nach sechs Minuten Fahrt entlang schroffer Felsen und gefühlt 60 mal Schlucken, kamen wir in der wolkenverhangenen Bergstation an.

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Blick ins Schnalstal von der Bergstation „Grawand“

Die Luft war spürbar kälter und dünner, meine Atemfrequenz nach einigen Schritten etwas stärker als sonst. Da wir keine Wanderung anstrebten, liefen wir ganz entspannt mit vielen unerzwungenen Fotopausen an der Bergstation sowie der Talstation des Sessellifts umher. Thomas machte die dünne Luft noch etwas mehr zu schaffen als mir. Dafür bekam ich in Folge der dünnen Luft langsam Kopfschmerzen. Thomas erläuterte mir, dass sich mein Gehirn nun ausdehne, aber nicht mehr genug Platz habe. Ich stellte mir das vor und dann tat mir mein Kopf gleich noch etwas mehr weh. Wir machten eine Mittagspause im „Grawand“ (bei der Talstation befindet sich „Ötzis Biwak“, eine Alm-Einkehrmöglichkeit) und tranken wunderbaren Pfefferminztee. Viel Trinken ist gerade in der Schwangerschaft mehr als wichtig, da zwei Organismen versorgt werden müssen. Die trockene Höhenluft erhöht den Bedarf zusätzlich. Hat euer Körper zu wenig Wasser zur Verfügung, verschlechtert sich der Sauerstofftransport zum Kind, einfach weil das Blut nicht mehr so schnell fließen kann.

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Das höchste Hotel Europas: Grawand

Fazit

Bis auf ein wenig Kopfschmerzen, habe ich mir am Hochjochferner keine Sorgen um meine Gesundheit und die Gesundheit meines Babys gemacht. Ich habe mich körperlich in keinster Weise überanstrengt, da wir nur wenig zu Fuß gelaufen sind auf über 3.000 Meter Höhe und dadurch auch keine Höhenmeter zurückgelegt haben. Für eine kurze Atemfrequenz reichte die Höhe ohne viel Hinzutun jedoch schon aus.

Ich habe auf mein Bauchgefühl gehört, mich einige Tage lang auf bis zu 2.500 Höhenmeter akklimatisiert, mich nicht körperlich angestrengt und mich auch nicht überaus lang am Hochjochferner aufgehalten (ca. 3 Stunden).

Ort Hochjochferner Ötztaler Alpen Südtirol (Italien)
Höhenmeter 3.212 m
Wegbeschaffenheit Schotter, teilweise große Steine
Schuhwerk Trekkingschuhe
Familientauglichkeit Für Schwangere (Wohlbefinden vorausgesetzt)

 

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